Zuletzt überprüft: Mai 2026.
TimeTree taucht auf praktisch jeder Liste mit “Gruppenkalender-Apps” auf – kostenlos, hübsch, in über 67 Millionen Downloads weltweit. Wer einen Familienkalender oder einen WG-Kalender sucht, landet schnell hier. Aber sobald die Gruppe größer wird – Mannschaften, Abteilungen, ein ganzer Verein – stellt sich die Frage: Reicht TimeTree dafür wirklich? Oder ist es Zeit, sich nach Alternativen umzusehen?
Wir haben uns TimeTree noch einmal genau angeschaut, mit Stand Mai 2026, und ehrlich aufgeschrieben, wofür die App geeignet ist – und wofür sie es nicht ist.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist TimeTree?
- Funktionen im Überblick
- Wo TimeTree gut funktioniert
- Schwächen für die Vereinsnutzung
- TimeTree und der Datenschutz (DSGVO)
- Alternativen zu TimeTree
- Fazit
Was ist TimeTree?
TimeTree ist ein geteilter Kalender des japanischen Anbieters TimeTree, Inc. (Tokio), gegründet 2014. Im Kern geht es darum, dass mehrere Personen gemeinsam einen Kalender pflegen können – mit Terminen, Notizen, einem kleinen Chat pro Termin und einer Synchronisation zwischen iOS, Android und einer Web-Oberfläche. Die App ist klar als Konsumenten-Produkt positioniert: Zielgruppe sind Familien, Paare, Freundeskreise und kleine Teams.
Anfang 2026 hat TimeTree eine größere Überarbeitung der Oberfläche ausgerollt (“My Time” Home Calendar, neue Tab-Leiste unten). Wer noch Screenshots aus den letzten Jahren kennt, sieht heute eine spürbar andere App.
Funktionen im Überblick
- Plattformen: iOS, Android und Web-Browser (calendar.timetreeapp.com). Es gibt keine native Desktop-App, mobile Browser werden nicht unterstützt.
- Preise (Stand Mai 2026 – Änderungen vorbehalten; aktuelle Preise bei TimeTree prüfen): Die Basis-Version ist kostenlos, aber werbefinanziert. TimeTree Premium kostet rund 4,49 €/Monat bzw. ca. 44,99 €/Jahr und entfernt Werbung, fügt Datei- und Foto-Anhänge zu Terminen hinzu und schaltet einige zusätzliche Ansichten frei. Ein 30-Tage-Test ist möglich.
- Kalender pro Account: bis zu 20 Kalender.
- Synchronisation mit Google Kalender, Apple Kalender und Outlook (lesend).
- Chat pro Termin: in jedem Kalender lässt sich pro Termin diskutieren – einer der bekanntesten Charme-Punkte der App.
- Memos / Keep: geteilte Notizen, To-Dos und Listen, die nicht an ein Datum gebunden sind.
- Öffentliche Kalender (Public Calendars): einseitige Broadcast-Kalender, die andere abonnieren können – z. B. für einen Spielplan.

Wo TimeTree gut funktioniert
TimeTree spielt seine Stärken da aus, wo es klein und persönlich bleibt. Familien, Paare, Wohngemeinschaften oder ein kleines Trainerteam können sich mit der App in wenigen Minuten organisieren. Die kostenlose Version ist tatsächlich nutzbar, das Onboarding ist schnell, und der Chat pro Termin ersetzt häufig eine sonst nötige WhatsApp-Gruppe – das ist ein echter Pluspunkt.
Auch die öffentlichen Kalender sind nützlich, wenn ein Verein einfach nur einen Spielplan oder die Saison-Termine zum Abonnieren bereitstellen will, ohne Diskussion und Rückkanal.
Schwächen für die Vereinsnutzung
Sobald aus dem Freundeskreis ein eingetragener Verein mit Abteilungen, Vorstand und unterschiedlichen Rollen wird, fängt TimeTree an, an Grenzen zu stoßen:
- Kein echtes Rollen- und Rechtemodell. Nur der “Ersteller” eines Kalenders kann Mitglieder entfernen; alle anderen Mitglieder haben gleiche Schreibrechte. Es gibt keinen Nur-lesen-Modus und keine Trennung zwischen Vorstand, Trainer:innen und einfachen Mitgliedern.
- Mitglieder-Obergrenze pro Kalender: 500. Für viele Vereine reicht das, mittlere und große aber stoßen oben an.
- Jedes Mitglied braucht einen eigenen TimeTree-Account. Das ist insbesondere bei älteren Mitgliedern oder Gelegenheitshelfer:innen eine Hürde.
- Werbung in der kostenlosen Version. Werbefreiheit gibt es nur über das individuelle Premium-Abo – es gibt keinen Team- oder Vereinstarif, der die ganze Gruppe gleichzeitig werbefrei macht.
- Keine Abteilungs- oder Untergruppenstruktur, keine Mitgliederverwaltung, kein Beitragsmanagement, keine integrierten Aufgaben oder Umfragen über den Termin hinaus.
Wer also nicht nur Termine, sondern auch Mitglieder, Beiträge und Kommunikation im Verein steuern will, wird mit TimeTree allein nicht weit kommen.
TimeTree und der Datenschutz (DSGVO)
TimeTree wird von einem Unternehmen mit Sitz in Japan betrieben. Die Daten werden grundsätzlich nach Japan übertragen. Rechtlich stützt sich das auf den Angemessenheitsbeschluss EU–Japan der Europäischen Kommission von 2019, der 2023 bestätigt wurde – ein anderer rechtlicher Rahmen als das EU-US Data Privacy Framework, aber ebenfalls anerkannt.
Heikler ist ein anderer Punkt: TimeTree bietet öffentlich keinen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) für Organisationen an. Wer als Verein personenbezogene Daten von Mitgliedern (Namen, Termine, ggf. Kontaktinformationen) in TimeTree pflegt, agiert als Verantwortlicher und müsste den Anbieter als Auftragsverarbeiter binden. Ohne AVV nach Art. 28 DSGVO ist das für einen Verein nicht ohne Weiteres sauber abbildbar. Für rein private Nutzung ist das egal, für die offizielle Vereinskommunikation aber ein echter Stolperstein.
Alternativen zu TimeTree
Wer TimeTree zu klein, zu privat oder zu wenig vereinsspezifisch findet, wird vor allem in zwei Richtungen fündig:
- Generische Kalender mit Vereinsbezug: etwa Google Kalender (mit Google Workspace und AVV) oder Outlook Kalender (mit Microsoft 365 und AVV). Beide sind mächtig, aber nicht auf Vereinsstrukturen zugeschnitten.
- Spezialisierte Vereins-Apps: Apps, die Kalender, Kommunikation, Abteilungen und Rollen von vornherein für Vereine denken. Eine ausführliche Übersicht findest du in unserem Vereinsapp Vergleich.
Klubraum als deutsche Alternative
Wer den Komfort eines geteilten Kalenders mag, aber das Vereinsleben sauber abbilden will, sollte sich Klubraum anschauen. Klubraum bündelt Gruppenkalender, themenbasierten Chat, Pinnwand und Abteilungsverwaltung in einer App – mit deutschen Servern, Auftragsverarbeitungsvertrag und einem Rollen- und Rechtemodell, das auf Vereine zugeschnitten ist. Die Basis ist kostenlos und ohne Werbung; bezahlte Tarife kommen erst, wenn euer Verein wirklich wächst.
Fazit
TimeTree ist eine schöne App für kleine, private Gruppen. Für Familien, Freundeskreise oder ein kleines Trainerteam ist sie schnell aufgesetzt und tut, was sie soll. Sobald ein Verein aber Mitglieder, Rollen, Abteilungen und einen sauberen Datenschutzrahmen braucht, wird es eng: keine echten Rechte, kein AVV, ein 500er-Cap und keine Vereinsfunktionen jenseits des Kalenders.
Wer das Beste aus geteiltem Kalender und Vereinsorganisation in einer App haben möchte, fährt mit einer vereinsorientierten Lösung in den meisten Fällen besser – als reines Werkzeug für die Familienseite kann TimeTree daneben aber gerne bleiben.